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Erasmus (Desiderius) von Rotterdam    1469 - 1536

holländischer Philologe und Philosoph
Schmetterling
Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen.
Ich weiß nicht, ob jemand seinen Körper zur Gänze kennt. Und den Zustand seines Geistes soll jeder kennen?
Wie ein Sattel nicht zum Ochsen, so passt die Bildung nicht zur Frau.
Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.
Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand.
Der Körper kann ohne den Geist nicht bestehen, aber der Geist bedarf nicht des Körpers.
Egoismus ist eine Tugend der Selbständigkeit.
Von den Schlechten verlacht zu werden ist fast schon ein Lob.
Intelligenz macht schüchtern.
Der Geist hebt uns zum Himmel, das Fleisch drückt uns nieder zur Hölle.
Manche Laster lassen im Alter nach, andere werden ärger.
Ich will lieber mit einem aufrichtigen Türken als mit einem falschen Christen zu tun haben.
Der Besitz verschafft Freunde, das gebe ich zu, aber falsche, und er verschafft sie nicht dir, sondern sich.
Das reine Gebet leitet unsere Neigung zum Himmel wie zu einer dem Feind unzugänglichen Burg.
Die Zahl der Dummen und Einfältigen ist überall sehr groß.
Es gehört sich, daß der Leser an ein zu lesendes Buch so herangeht,wie der wohlerzogene Gast zu einem Gastmahl
      zu gehen pflegt.
Die wesentliche Voraussetzung für Glück ist die Bereitschaft, der zu sein, der man ist.
Wer den Kern sucht, muß die Schale brechen.
Vornehmheit, alte Familie, Ahnentafel, Stammbäume und dieser ganze Pomp sollte als leerer Schall erkannt werden.
      Einzig das hat Anspruch auf Beachtung, was Zeugnis der Ehre ist.
Alles bezwingt die Liebe, und kämpft doch ohne Mord und Blut.
Der Kern des Glücks: der sein zu wollen, der du bist.
Der Mensch ist nun einmal nicht dazu geboren auf Erden ein vollkommenes Glück zu genießen.
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Wer die Kunst versteht, mit sich selbst leben zu können, kennt keine Langeweile.
Für jeden riecht sein eigener Misthaufen gut.
Der du die wahre Sonne der Welt bist, die immer auf- und niemals untergeht.
Was gibt es Törichteres als von seinen eigenen guten Eigenschaften bezaubert, von seinen eigenen Verdiensten
      entzückt zu sein?
Kein Tier ist so wild, daß nicht menschliche Mühe es zähmen könnte; und die menschliche Seele, die alles zu zähmen
      vermag, soll nicht zu zähmen sein?
Niemals muß man gewissenhafter auf Posten stehen, als wenn der Feind so tut, als wolle er Frieden schließen; nie haben
      wir ihn weniger zu fürchten, als wenn er uns offen angreift.
Ob ein fröhliches Mahl überhaupt ohne Frauen denkbar ist, lasse ich offen. Ich führe nur die Tatsache an, daß jeder
      Schmaus, der durch die Torheit nicht belebt wird, der lieblichsten Würze entbehrt.
Sei dessen eingedenk, daß zwischen einem Verrückten und einem, der vor Zorn rast, kein größerer Unterschied ist, als
      zwischen einer vorübergehenden und einer dauernden Tollheit.
Wie viele Male schaut der Wille durch's Fenster, ehe die Tat durch's Tor geht.
Hüte dich davor zu denken: »Das tut jeder«.
Es gibt zu viele Sorten von Menschen, als daß man für alle fertige Antworten bereithalten könnte.
Ein erhabener Geist verachtet niedrige Dinge. / Nimus excelsus res humiles despicit.
Du triffst Vorsorge für das Alter, damit dem Körper nichts fehle. Solltest du dir nicht Gedanken darüber machen, ob der
      Seele etwas fehlt?
Die Allgemeinheit war ja wohl immer schon der schlechteste Lehrer für das Leben und Fühlen. Und niemals stand es so
      gut um die menschlichen Dinge, daß nicht der großen Menge gerade das Schlechteste gefiel.
Krieg erscheint denen schön, die ihn nicht erfahren haben.
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Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und
      Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und
      mit Anmerkungen bedecken.
Laß dich von großen Namen nicht blenden!
Man glaubt gar nicht, mit welcher Schlauheit die Weibchen es fertig bringen, ihre dummen Streiche zu bemänteln.
Von der Zunge hängt des Menschen Würde und Glück ab.
Wahrer Adel ist es, den nichtigen Adel zu verachten.
Die ganze Welt ist ein gemeinsames Vaterland.
Besser ist es, weniger zu wissen und mehr zu lieben, als viel zu wissen und nicht zu lieben.
Höhepunkt des Glücks ist es, wenn der Mensch bereit ist, das zu sein, was er ist.
Wer nicht zu sündigen wagt, begeht die größte Sünde./ Maxime peccantes, quia nihil peccare conantur
Eine große Stadt bedeutet große Einsamkeit.
Nicht das Geräusch der Lippen, sondern das glühende Gelübde des Herzens gewinnt gleich einer hellen, lauteren Stimme
      die Ohren Gottes.
Niemand ist weiter von der wahren Religion entfernt, als wer sich selbst für sehr religiös hält.
Man muß sich sehr hüten, sich über einen Fehler geringschätzig hinwegzusetzen. Denn kein Feind siegt häufiger als der,
      den man verächtlich behandelt.
Ein Leben ohne Bücher ist nicht lebenswert.
Der Magen ist ein lästiger Frager.
Am Ende stellt sich die Frage: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was du dann wünschst, getan zu haben,
      das tue jetzt.
Wenn das Böse die Wurzel aller Geheimnisse ist, dann ist Schmerz die Wurzel allen Wissens.
Es genügt nicht, dass die Vögel des Kummers um dein Haupt fliegen; du musst ihnen ein Nest in deinem Haar bauen!
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