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Arthur Schnitzler    1862 -1931

österreichischer Dramatiker und Erzähler
Schmetterling
Alle Spekulation, vielleicht alles Philosophieren ist nur ein Denken in Spiralen; wir kommen wohl höher, aber nicht
      eigentlich weiter, und dem Zentrum der Welt bleiben wir immer gleich fern.
Was uns als Größenwahn erscheint, ist nicht immer eine Geisteskrankheit. Oft genug ist es nur die Maske eines
      Menschen, der an sich verzweifelt.
Alles, was die Seele durcheinander rüttelt, ist Glück.
Der Hass der Größe gegen die Kleinheit ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe ist Neid.
Die Nachwelt ist nicht besser als die Mitwelt. Sie ist nur später.
Diejenigen Tugenden werden am lautesten gepriesen,zu deren Ausübung weder Gedankenarbeit noch Energieentfaltung,
      noch Selbstüberwindung gehört, vor allem also diese beiden: Patriotismus und Gottesfurcht.
      Sollte die Vermutung nicht gerechtfertigt sein, dass sie an sich überhaupt gar keine Tugenden bedeuten, sondern
      nur von denjenigen Instanzen dazu gestempelt werden, die von dieser Auffassung den auffälligsten Vorteil haben:
      vom Staat und von der Kirche?
Ein Abschied schmerzt immer,auch wenn man sich schon lange darauf freut.
Auch das ist Lüge und oft die kläglichste von allen: Sich anzustellen, als wenn man einem Lügner seine Lüge glaubte.
Jedes Wort hat fließende Grenzen. Diese Tatsache zu ästhetischer Wirkung auszunützen ist das Geheimnis des Stils.
Mißtrauisch bist du? Ich verstehe dich: Du willst dir die Mühe ersparen, die Menschen kennenzulernen.
Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen.Takt heißt: sie nicht bemerken.
Wenn du dich in Gefahr glaubst, an einem Menschen zugrunde zu gehen, so rechne es ihm nicht gleich als Schuld an,
      sondern frage dich vorerst, wie lange du schon nach solch einem Menschen gesucht hast.
Hüte dich vor Bescheidenen; du ahnst nicht, mit welch gerührtem Stolz sie ihre Schwächen hegen.
Lebensklugheit bedeutet: Alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.
Die schlimmste Art, ein Glück zu versäumen, ist nicht zu glauben, dass man es erlebt.
Wahrhaft ungütig sind wir nur gegen Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns niemals verloren gehen können.
Demnach würde zur Milderung des menschlichen Elends das Wirksamste die Verminderung, ja Aufhebung des
      Luxus sein.
Auch der erste Schritt gehört zum Weg.
Bereit sein ist viel, warten können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen ist alles.
Ein ernster Mensch sein und keinen Humor haben, das ist zweierlei.
Das Wichtigste im Verkehr mit Menschen: ihnen ihre Ausreden wegräumen.
Klugheit und Güte ziehen es vor, ohne Maske aufzutreten.
Stärke des Charakters ist oft nichts anderes als eine Schwäche des Gefühls.
Ordnung ist etwas Natürliches. Das Nützliche ist das Chaos.
Die Anteilnahme der Nebenmenschen an unserem Schicksal ist Schadenfreude, Zudringlichkeit und Besserwisserei in
      wechselndem Gemisch.
Auch das Chaos gruppiert sich um einen festen Punkt, sonst wäre es nicht einmal als Chaos da.
Der Weg vom religiösen Gefühl zum Dogma ist unendliche Male weiter als der vom Dogma zum religiösen Wahnsinn.
Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt und nicht die Erfüllung; und der Sinn des Lebens ist der Weg und nicht das
      Ziel. Denn jede Antwort ist trügerisch, jede Erfüllung zerfließt uns unter den Händen, und das Ziel ist keines mehr,
      sobald es erreicht wurde.
Schmetterling
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