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Franz Werfel    1890-1945

österreichischer Schriftsteller
Schmetterling
Religion ist das unaufhörliche Zwiegespräch der Menschheit mit Gott. Kunst ist ihr Selbstgespräch
Das echte Talent erkennt man weniger in seinen erstaunlichen Anlagen als in der selbstlosen Fähigkeit, die überlegene
      Leistung eines anderen glühend zu verehren
Der Quell hat zwei Freudenwünsche: daß man von ihm trinke und daß man ihn anschaue beim Trinken.
Der Trick der Schöpfung ist satanisch witzig. / Das Weib bleibt vorher kühl, der Mann ist hitzig. / Sie glüht nachher
      und er sieht auf die Uhr. / So stirbt Betrug nicht aus und nicht Natur
Die Grundformel aller Sünde ist: Verfehlte oder versäumte Liebe
Fremdsein ist eine gewaltiges Handwerk, das Fleiß und Fertigkeit erfordert
Jede Bewegung von innen nach außen entspringt einer Ungenügsamkeit. Metaphysisch gesehen, ist diese
      Ungenügsamkeit der Ursprung der Zeit
Mein Leben! Immer wieder komme ich in eine unbekannte Stadt und bin fremd. Auch im Jenseits werde ich nur ein
      Zugereister oder Refugie sein!
Wer nicht in einem unerbittlichen Institut aufgewachsen ist, wird sein Lebtag die Bedeutung des Wortes »Sonntag«
      nicht ermessen. Sonntag, das ist der Tag, wo die erdrosselnde Hand der Angst um den Hals sich lockert,
      Sonntag, das ist ein Erwachen ohne den bangen Brechreiz, Sonntag, das ist der Tag ohne Prüfung, Strafe,
      erbitterten Lehrerschrei, der Tag ohne Schande, ohne zurückgewürgte Tränen, Erniedrigungen, der Tag, da man
      in einem süßen Glockenmeer erwacht
Müßiggang ist allen Geistes Anfang.
Alles Warten ist Warten auf den Tod.
Dem ewig Unwandelbarsten kann nur das ewig Wandelbarste hoffen zu begegnen. Darum ist jede erstarrte Religion
      wie eine Blasphemie
Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen
Es gibt Menschen, die immer die Gebenden sein möchten und es niemals zustande bringen, die Nehmenden zu sein.
      Diese Unfähigkeit, zu nehmen, ist vielleicht die verletzendste menschliche Hochmut
Die ganze Theologie verhält sich zum religiösen Leben des Gebets, der mystischen Erfahrung und der guten Werke,
      wie sich die Harmonielehre zur Musik verhält
Gott verzeiht nicht, was die Menschen verzeihen. Die Menschen verzeihen nicht, was Gott verzeiht
Jeder Mensch ist eine Melodie. Lieben heißt: sie innehaben. Ich bin für dich, du bist für mich ein Lied.
Was wir Aberglauben nennen, das ist oft nur das Zittern und Wallen der erwärmten Luft um die aufrechte Flamme
      des Glaubens
Zwischen zu früh und zu spät liegt immer nur ein Augenblick
Schmetterling
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